Kaiserstadt in einem neuem Glanz – Die Stadt Prag leuchtet

 

Von Axel Ehrhardt

 

Prag, „die Goldene" oder „Hunderttürmige", die „Perle an der Moldau" oder „die Königin der Städte" will erobert werden. Und diese Stadt macht es einem dazu leicht, denn Prag gehört seit Jahrhunderten zu den kulturellen Zentren Europas Es gibt wohl kaum eine andere Stadt in Europa, in der sich solch eine architektonische Vielfalt und Großzügigkeit auf so engem Raum vereinigt, eine Stadt, deren Stadtkern seit dem Mittelalter im ganzen unzerstört geblieben ist.

 

Die Hauptstadt Tschechiens hat sich, wie keine zweite Metropole in Europa, deshalb ihre historisch mittelalterlichen Strukturen großflächig erhalten. Prag zeigt deshalb seine Reize relativ freizügig: verschlungenen Gassen, eine prächtige Burg, über hundert Türme und Kuppeln, prächtige Straßen, verwinkelte Gassen und Alleen mit eindrucksvollen Bauten und Denkmälern aus der Gründerzeit. Der historische Kern, architektonisch betrachtet, ist eine Art von großzügigem Freilichtmuseum aus zehn Jahrhunderten Geschichte. Nicht umsonst ist diese Stadt 1992 zum UNESCO-Weltkulturerbe, ernannt worden. Diese Stadt mit ihrer baulichen Vielfältigkeit der Gotik, des Barocks, des Jugendstils und Kubismus ist überwältigend, beeindruckend und faszinierend zugleich. Der Innenstadtbereich gliedert sich in fünf Bezirke auf, die man erst 1784 zu einer Stadt vereinigt hat und lässt sich bequem mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erforschen. Prag ist grundsätzlich überschaubar, so dass sich diese Stadt weitestgehend auch zu Fuß erobern lässt.

 

Um all die Facetten des „Goldenen Prags" zu entdecken, wäre man wahrscheinlich Wochen unterwegs, um diese Stadt zu verstehen, Jahre. Allerding genießen kann man diese Metropole auf den ersten Blick. Links von der Moldau prägt der Hradschin-Hügel mit seiner prächtigen Burg und dem 45 ha großen Areals des Veits-Dom die einzigartige Silhouette der Stadt .Ihm zu Füßen streckt sich die malerische und idyllische Kleinseite zwischen der Moldau und dem Burgfelsen. Unverzichtbar ist ein Spaziergang über Prags berühmtestes Wahrzeichen, die Karlsbrücke und die Kampa-Insel in Richtung Hradschin. Dieses einzigartige Stadtviertel ist ein barockes Gesamtkunstwerk, in Europa mit keiner anderen Hauptstadt zu vergleichen. Nach den Religionskriegen wurde es zum Sitz und Refugium des Adels, der sich in der Nähe der S. Nikolaus Kirche und der Burgfestung eindrucksvolle Domizile bauen ließ. Diese Bauwerke sind an Charme und Bausubstanz kaum zu übertreffen und so ist es kein Wunder, das diverse Botschaften, komfortable Hotels und schicke Restaurants bzw. trendy-Geschäfte das Viertel unter sich aufteilen. Hier findet man auch die Deutsche Botschaft mit seiner überwältigenden Geschichte .Doch die alles beherrschende Attraktion des hoch über der Moldau liegenden Stadtteils Hradschin ist die Prager Burg als unverkennbares Wahrzeichen dieser Stadt. Hier finden sich Gebäude, Baustile und tschechischen Geschichte, die sich aus einer über 100 jährigen Zeit zusammenfassen lassen elf weiteren Brücken die-zu weiten Teilen- autofreie Altstadt, im Norden benachbart das alte Judenviertel Joseph Stadt und im Süden und Osten halbkreisig daran anschließend die Neustadt, gegründet von dem berühmten Karl IV.

 

Hauptattraktion für jeden Besucher dieser Stadt ist im Zentrum östlich der Moldau der Altstädter Ring mit seinem gleichnamigen Rathaus, mit den davon abzweigenden engen und einladenden Gassen, den neu renovierten Fassaden der einzelnen historischen Gebäuden sowie die Karlova, der Abschnitt des alten Krönungsweges der böhmischen Könige. In harmonisch abgestimmten

 

Pastelltönen stehen die restaurierten Fassaden der gotischen, barocken, Renaissance-und Rokokobauten um den weiten Platz. Ein Muss gilt auch dem Besuch des Altstädter Rathauses. Nicht versäumen sollte man am Ostrand der Altstadt den historischen Pulverturm und am Obstmarkt das Ständetheater.

Ein Brennpunkt der politischen Zeitgeschichte bildet in der Nové mesto (Neustadt) der Wenzelsplatz Früher hieß der Platz Rossmarkt. Im Revolutionsjahr 1848 gestaltete man ihn in einen Boulevard um und gab ihm einen neuen Namen. Allerdings nicht „Wenzel Boulevard", sondern Wenzelsplatz. Hie und an der Querachse reihen sich dicht an dicht heute Kaufhäuser und Kinos, diverse Lokale und Hotels.

Zu den weiteren Höhepunkten zählt das Nationalmuseum. Es gilt als eines der größten Museen der Republik mit fast 7 Mio. Exponaten. Allein die mineralogische Sammlung ist eine der umfangreichsten der Welt.

Man sollte es auch nicht versäumen, einen Ausflug nach Vysehrad zu unternehmen. Der steile Fels, der südlich der Neustadt das Moldau-Ufer überragt, gilt als frühester Sitz der Premysliden-Herrscher. Die jeweiligen historischen Baudenkmäler, her schön angelegte Park und die grandiose Aussicht lohnen den kleinen Ausflug allemal. Die Peter-und Paul Kirche steht auf den Resten einer alten Basilika. Auf dem Friedhof, gleich nebenan, wurden über 600 Berühmtheiten bestattet, u.a. Neruda, Dvorak und Smetana.

Nicht nur Gotik und Barock haben Prag berühmt gemacht, sondern ebenso die einst über 100 traditionsreichen, schwer-rustikalen Bierstuben (Pivnices). In Tschechien trinkt man angeblich nicht zum Essen, sondern man isst zum Trinken. So ist für viele Prager nicht die Qualität der Küche das ausschlaggebende Argument, sondern das gezapfte Bier. Das Pivo fließt dort in rauen Mengen, dazu werden deftige Happen serviert und es darf sogar dabei auch geraucht werden.

Aber keine Sorge, in der Stadt an der Moldau kann man auch hervorragend dinieren – und nicht nur Braten, Klöße und Soße. Eine Empfehlung auf der Kleinseite ist das Restaurant U Modré Kachniccky. Hier haben schon Helmut Kohl, Bill Clinton, Václav Havel oder George Cloony und andere Persönlichkeiten aus der Politik, der Wirtschaft, der Film- und Kultur-Szene an den liebevoll gedeckten Tischen gesessen und das historische Ambiente, das aufwendige stilvoll-charmante eingerichtete Restaurant und die außergewöhnlichen zubereiteten Speisen verinnerlicht. Wer eine weitere gute böhmische Küche probieren möchte, der ist –ebenfalls auf der Kleinseite-im Restaurant Konirna bestens aufgehoben.

Wer etwas außerhalb des touristischen Rummels, aber trotzdem verkehrsgeographisch günstig zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt übernachten möchte, dem ist das Dorint-Hotel Don Giovanni zu empfehlen. Es liegt nicht nur in unmittelbarer Nähe des Neuen Jüdischen Friedhofs, auf dem der berühmte Schriftsteller Franz Kafka ruht, sondern direkt an einer Metro-Station, mit der man nach wenigen Stationen direkt im Zentrum ist.

Man muss dieses neue Prag einfach gesehen haben. Es ist die Lebendigkeit und Kreativität seiner Menschen und dessen Lebensgefühl, die Prag einfach leuchten lässt. Wer das aufnimmt, begreift schnell, dass in ihm der revolutionäre Geist lebt, der die jüngere Geschichte Prags bestimmt hat. Prag ist jeder Zeit eine Reise wert, man möchte deshalb immer wieder kommen. Diese Stadt kann man einfach nicht vergessen.

 

Partner von Schmetterling